Dez 262011
 
Ortsheimatpfleger Burkhard Schulte-Illingheim

Mit der Bezeichnung „Curtis Amewic“ wurde der Siedlungsort Amecke erstmals im Jahre 1165 urkundlich erwähnt. Die Amts- und Urkundensprache des Hochmittelalters (1050-1250) war das Latein. Während wir Amewic noch leicht als über die Jahunderte lautverschobene Form von Amecke deuten können, ist uns der Begriff „Curtis“ nichtssagend.

Der Begriff „Curtis“ leitet sich aus dem altlateinischen Wort „cohors“ab, was soviel wie „umfriedeter Raum“ bedeutet. Mit einem „Curtis“ bezeichnete man im Mittelalter einen leicht befestigten (z.B. mit Holzpalisadenzaun) Wirtschaftshof, von dem aus eine Reihe von kleineren unbefestigten Höfen verwaltet wurde.

Die mächtige Familie der Grafen von Arnsberg war als Verwalter des Deutschen Kaisers mit der großen Grafschaft Arnsberg belehnt. Um dieses Gebiet dezentral verwalten zu können, gründete der Graf an vielen Siedlungsplätzen Haupthöfe. So ein Haupthof (Curtis) bestand in Amecke um 1165. Von diesen Haupthöfen wurden zwischen 3 und 30 Unterhöfe verwaltet. Der Haupthof war mit einem Dienstmann des Grafen besetzt. Der Haupthofverwalter konnte einfacher Beamter sein oder aus dem niederen Dienstadel stammen. Der Verwalter übte in dem Gebiet seines Haupthofes die niedere Gerichtsbarkeit für seinen Grafen aus. Zusätzlich sammelte er die Abgaben der Unterhöfe ein.

Nachdem der Graf von Arnsberg seinen Bruder ermordet hatte, musste er zur Sühne seine Grafschaft Arnsberg an seinen Rivalen, den Erzbischof von Köln abtreten. Vom Kölner Erzbischof erhielt er dann die Grafschaft zurück. Auflage aber war, auf einzelne Haupthöfe zu verzichten. Einer dieser Haupthöfe war der „Curtis Amewic“. Mit dem Aussterben der Grafen von Arnsberg im 14.Jahrhundert kaufte der Erzbischof als Kurfürst von Köln die Grafschaft zurück. Der Kurfürst wechselte mit der Zeit sein Verwaltungssystem. Er bündelte nun mehrere umliegende Haupthöfe zu einer neuen Verwaltungseinheit, die er mit einem Dienstmann aus dem Adel besetzte.

Im 14. Jahrhundert wird die Familie von Wrede als Lehnsträger des Kurfürsten mit den Amecker Gütern und den Umgebungshöfen als neue Verwaltungsmacht belehnt. Der alte „Curtis Amewic“ wurde danach zu einem abhängigen Bauernhof, der seine Abgaben direkt an den Kurfürsten und die Stockumer Kirche liefern musste. Durch die Kontinuität der Besitzverhältnisse konnte Herr Dr. Hubert Schmidt den alten „Curtis Amewic“ als den Kortenhof (heute Wilhelm Peetz) lokalisieren.

Burkhard Schulte-Illingheim, Ortsheimatpfleger